In der GR-Sitzung am 1. Juli 2025 stand der Punkt „Bahnausbau Region München-Weichselbaum“ auf der Tagesordnung. Die Sitzungsvorlage fiel durch einen außergewöhnlich umfangreichen und sorgfältig fomulierten Text auf, der sich wie Werbung liest (siehe Niederschrift zu TOP 16). Laut Beschlussvorschlag sollte sich der Gemeinderat positiv zu Reaktivierung des S-Bahnhalts Weichselbaum positionieren:
„Die Gemeinde Weßling begleitet die weiteren Schritte zur Reaktivierung eines S-Bahnhaltes bzw. die Etablierung einer Mobilitätsdrehscheibe bei Weichselbaum positiv, konkret im nächsten Schritt den Abschluss einer Planungsvereinbarung zwischen Freistaat und der Deutschen Bahn. Der Gemeinderat befürwortet es, dies mittels eines gemeinsamen Schreibens des Landkreises und der Gemeinden Gauting, Gilching und Weßling der Bayerischen Staatsregierung mitzuteilen und gegenüber der Staatsregierung auf weitere Schritte zur konkreten Umsetzung eines S-Bahnhalts und der Etablierung einer Mobilitätsdrehscheibe bei Weichselbaum hinzuwirken.“
Es versteht sich von selbst, dass die Fraktion der Grünen Maßnahmen zur Verbesserung der ÖPNV-Anbindung des „Campus Oberpfaffenhofen“ befürwortet. Allerdings schlug sie vor, die „Etablierung einer Mobilitätsdrehscheibe“ aus dem Beschluss zu streichen. Laut Sitzungsvorlage steht diese Wortschöpfung für „Knotenpunkt und Verbindung verschiedener Verkehrsmittel wie Shared Mobility Bike and Ride, P+R und Carsharing“. Die Grünen machten in der Beratung darauf aufmerksam, dass „P+R“ hierbei offenkundig für den Bau eines großen Parkplatzes steht, der zur Anfahrt mit dem Pkw und Umstieg in die S-Bahn einlädt. Dies diente sicherlich zur Kfz-Entlastung der Stadt München, hätte aber wahrscheinlich drastische Auswirkungen auf die Ortsentwicklung von Weichselbaum. Ein rein für Pendler:innen zum Campus konzipierter S-Bahnhalt wäre hingegen sehr zu begrüßen. Der Rest des Gremiums reagierte mit Unverständis und überstimmte die Grünen.
Erst nach der Sitzung fanden wir über einen Presseartikel heraus, dass bereits im August 2024 eine 63-seitige Machbarkeitsstudie zum S-Bahnhalt Weichselbaum vorgelegt worden war. In dieser wird ein Parkplatz mit 400 Stellplätzen angenommen. Dies entspricht einer Fläche von ca. 11.000 m². Wir haben kein Verständnis dafür, dass diese Machbarkeitsstudie dem Gemeinderat nicht für die Beratung zur Verfügung gestellt wurde. Es entsteht der Eindruck, dass nachteilige Entwicklungen in den betroffenen Gemeinden bewusst verschleiert wurden.
Wenn die Pläne Wirklichkeit werden, entstehen voraussichtlich noch mehr riesige Parkflächen entlang der Münchener Straße. Wer vom „malerischen“ Röchnerknoten kommend die rund um die Uhr lärmende A96 überquert hat, wird dann in der Gemeinde Weßling mit einem riesigen Parkplatz auf der rechten Seite begrüßt. Linkerhand geht es weiter mit zahlreichen Parkplätzen und -häusern von astopark, OHB und DLR für ca. 2000 Stehzeuge. Planetare Grenzen spielen in der bayerischen Verkehrspolitik weiterhin keine Rolle.



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