Trinkwasser vs. Müll – Standortsuche mit klaren Maßgaben

Bau eines Müllumladezentrums im Trinkwasserschutzgebiet? Klingt abwegig, ist es auch. Dennoch ist die Tiefenbrunner Rinne als einer von zwei Standorten in der Planung des Landkreises vorgesehen. Nur 160 Meter entfernt pumpen zwei Brunnen Trinkwasser in die Leitung für 40.000 Menschen in neun Gemeinden, fünf weitere Brunnen befinden sich in unmittelbarer Nähe.

Wir GRÜNEN kämpfen gegen diesen Standort. Wenn ein solches Zentrum gebaut werden sollte, dann am Alternativstandort direkt neben der seit Jahren benutzten Müllumladestation der Firma Remondis an der A96.

Im Juli 2018 hat der AWISTA seine Pläne bekannt gegeben in der Tiefenbrunner Rinne ein neues Müllumladezentrum zu errichten. Eine der großen Problematiken an diesem Standort: Er liegt direkt am bestehenden Wasserschutzgebiet und innerhalb einer bereits geplanten Erweiterung. Die Wassergewinnung Vierseenland, getragen von den Gemeinden Andechs, Herrsching, Pöcking, Seefeld, Starnberg, Weßling und Wörthsee, schöpft aus diesem Gebiet. In einem Notverbund hängt sie mit den Gemeinden Starnberg, Gilching (Süd) und Inning zusammen. Laut Amtsblatt des Landkreises vom Februar 2019 ist das gesamte Gebiet von Hadorf bis Gilching für die Brunnen I, II, III, VII und VIII im Unterbrunner Holz als Wasserschutzgebiet III b ausgewiesen. Die Fläche, die der AWISTA für seine Müllumladedeponie überplant, liegt mitten über diesem Trinkwasserstrom, 160 Meter entfernt stromauf pumpen die Brunnen V und VI ihr Trinkwasser in die Leitung für 40.000 Menschen in neun Gemeinden, stromab im Unterbrunner Holz liegen die weiteren fünf Brunnen.

Standort „Tiefenbrunner Rinne”

Gemeinsam mit den anderen Weßlinger Bürgern und der politischen Gemeinde Weßling wehren wir uns vehement gegen diesen Standort. Unsere Gründe:

  1. Die Gefährdung des größten Trinkwasservorkommens des Landkreises Starnberg durch die extreme Nähe zu den benachbarten Hochstadter Brunnen V und VI der Wassergewinnung Vierseenland. Sie müssen für die Zukunft geschützt werden.
  2. Das Vorkommen von Vogel- und Amphibienarten in diesem Gebiet, die laut Roter Liste strengst geschützt sind.
  3. Die Verkehrsproblematik in Hochstadt, die durch den gewerblichen Schwerlast- und privaten Zulieferverkehr aus dem Nordwesten des Landkreises weiter gesteigert würde.
  4. Erhalt der intakten Landschaft, die als Naherholungs- und Tourismusgebiet gebraucht wird.

Brauchen wir überhaupt ein neues Umladezentrum?

Diese Frage ist aus unserer Sicht noch längst nicht geklärt. Im Landkreis und sogar im Gemeindegebiet existiert bereits eine Umladestation: Nördlich der Autobahn, An den Gruben betreibt die Firma Remondis seit Jahrzehnten eine solche Einrichtung und kooperiert dabei sogar mit dem AWISTA.

Warum also ein neues Zentrum? Der AWISTA begründet das mit seinen Plänen, die Müllentsorgung komplett in die eigene Hand zu nehmen. Als Begründung führt der AWISTA an, dass sich das Verhältnis zum aktuellen Dienstleister Remondis verschlechtert habe und man sich nicht von privaten Anbietern abhängig machen wolle. Auf Fragen nach der Wirtschaftlichkeit und der Auswirkungen auf die Müllgebühren reagierte der AWISTA jedoch immer ausweichend. Auf eine Anfrage der Gemeinde zur Wirtschaftlichkeit antwortete er, dass „zu dem Projekt bisher keine belastbaren Kosten vorliegen”. Am 5. Juni erklärte AWISTA-Geschäftsführer Wiedemann bei einer Sondersitzung in Hochstadt: „Die Gebühren steigen sowieso.”

Obwohl es sich beim AWISTA um ein kommunales Unternehmen handelt, das zu 100% in öffentlicher Hand ist und damit den Einwohnern des Landkreises gehört, gibt es aktuell keine der Öffentlichkeit zugängliche Wirtschaftlichkeitsprüfung oder fundierte Begründung für die Pläne zum Bau einer neuen Müllumladestation. Es scheint so, als könne der AWISTA noch nicht einmal die ökonomischen Auswirkungen eines neuen Umladezentrums absehen, ganz zu schweigen von den ökologischen. Wir fordern daher, nicht nur den Standort Tiefenbrunner Rinne aufzugeben, sondern das Vorhaben als Ganzes zu prüfen.

Alternativlösung der Gemeinde Weßling

Um den AWISTA von dem untragbaren Standort Tiefenbrunner Rinne abzubringen, hat der Gemeinderat Weßling sofort nach Bekanntwerden des Planes einstimmig ein entsprechend großes Alternativgrundstück angeboten. Der Standort An den Gruben liegt direkt neben der seit Jahren benutzten Müllumladestation der Firma Remondis nördlich der Autobahn. Er ist frei von den Einschränkungen des Geländes in der Tiefenbrunner Rinne. Zudem ist er verkehrstechnisch gut erschlossen durch die Autobahn und die Umfahrungsstraßen von Weßling, Gilching und Unterbrunn.

Standort „An den Gruben”

In einer weiteren Sitzung hat der Weßlinger Gemeinderat ebenfalls einstimmig beschlossen, im Bedarfsfall mit einer Klage gegen den Standort Tiefenbrunner Rinne vorzugehen. Eine Klage kann allerdings erst dann erhoben werden, wenn der AWISTA den Bebauungsplan eingereicht hat.

Von Seiten der Gemeinde Weßling und der Wassergewinnung Vierseenland wurden Pumpversuche und geoelektrische Untersuchungen bei den beiden Hochstadter Brunnen und dem Standort Tiefenbrunner Rinne veranlasst. Die Ergebnisse sollen klären, wie sich bei einer erhöhten Wasserentnahme der Fassungstrichter der Brunnen verändert und folglich das Wasserschutzgebiet erweitert werden muss. Hinzu kommt, dass der Klimawandel und die damit einhergehenden Trockenperioden sinkende Grundwasserstände bedingen.

Klarheit durch Standortanalyse

Im Zuge einer Standortanalyse sollen jetzt die beiden Grundstücke miteinander verglichen werden. Der Steuerungsgruppe, die die Vergleichskriterien erarbeiten soll, nach denen ein unabhängiges Ingenieurbüro diese Analyse erarbeiten soll, sollen neben Bürgermeister Muther unter Anderen Landrat Roth und AWISTA-Geschäftsführer Wiedemann angehören.

Am 5. Juni hatte der Gemeinderat alle Weßlinger und Landrat Roth ins Freizeitheim nach Hochstadt geladen, um den aktuellen Stand des Vorhabens zu beleuchten. Über 150 Bürger und auch Herr Wiedemann waren gekommen. Bürgermeister Muther und Landrat Roth teilten mit, dass der Landkreis inzwischen auch das Alternativgrundstück An den Gruben einschließlich der von Remondis genutzten Fläche gekauft hat.

Der zweite Bürgermeister Michael Sturm verglich sachlich die beiden Standorte und kam zu dem Schluss, dass der Standort in der Tiefenbrunner Rinne eine Beeinträchtigung für Natur, Umwelt und Menschen bedeute. Er zitierte Ministerpräsidenten Söder, der eine „neue Kultur im Umgang mit unserem Trinkwasser“ fordert. Landrat Roth warb bei den Bürgern um Geduld, damit im Zuge der Standortanalyse der beste Standort für die dringend benötigte Müllumladestation gefunden werden könne. Der Antrag, die Tiefenbrunner Rinne von vornherein auszuschließen, wurde aus formalen Gründen abgelehnt.

Wir erwarten jetzt einen sauberen Standortvergleich mit Umweltverträglichkeitsprüfung, spezieller artenschutzrechtlicher Prüfung und Verkehrsanalyse. Mit Blick auf eine zukunftsorientierte Wasserversorgung und die Vorgaben des LEP ist aus unserer Sicht der Standort in der Tiefenbrunner Rinne jedoch absolut keine Option.

Jetzt Petition mitzeichnen!

Mehr als 1.000 Bürger unterstützen bereits die Online-Petition der Interessengemeinschaft Hochstadt gegen den Standort an der Tiefenbrunner Rinne. Setzen auch Sie ein Zeichen für eine nachhaltige Lösung!

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