Neue Fahrradabstellanlage am Bahnhof

Referentenbericht Mobilität & Verkehr 2024/2025

In der Gemeinderatssitzung am 27. Januar stellte Gemeinderat Gerhard Hippmann seinen fünften und letzten Bericht als Referent für Mobilität und Verkehr vor. Dieser umfasst den Zeitraum von Mai 2024 bis Dezember 2025 und liegt als Präsentation mit Links zu weiteren Infos vor.

In den vergangenen gut anderthalb Jahren gab es kaum mehr verkehrspolitische Beschlüsse. Der Fokus lag stattdessen auf der Umsetzung beschlossener Maßnahmen. Dabei ging es meist nur zäh voran, aber im Laufe der Zeit konnten dennoch eine ganze Reihe von Fortschritten erzielt werden.

Infrastruktur

Der Bau der neuen Fahrradabstellanlage am Bahnhof war sicherlich das größte und erfolgreichste Projekt der Wahlperiode. Durch einen Gestattungsvertrag kann die Gemeinde das hervorragend geeignete DB-Grundstück kostenlos für eine technisch und gestalterisch viel gelobte Abstellanlage mit 135 überdachten Plätzen nutzen. Nicht zuletzt dank hoher Förderungen von Bund und Land ist es auf diese Weise gelungen, das Radeln zum Bahnhof deutlich attraktiver zu machen.

Mit sehr geringem Aufwand konnte eine Warnmarkierung des Bordsteins in der Unterführung im Steinebacher Weg realisiert werden; ein Bürger hatte darauf aufmerksam gemacht, dass dort insbesondere für ortsunkundige Radler:innen hohe Sturzgefahr besteht.

Im Herbst 2024 wurden auf dem Geh- und Radweg zwischen Weßling und Gilching die in 2023 von der Gemeinde angebrachten Haltegriffe durch ein Ampeltrittbrett ergänzt. Dieses wurde gemäß Vereinbarung vom DLR angeschafft und installiert. Ampeltrittbretter sind aus Fahrradstädten wie Münster oder Kopenhagen bekannt und in besonderer Weise geeignet, Wertschätzung für Alltagsradler:innen zum Ausdruck zu bringen.

Nachdem der Wirtschaftsweg zwischen Grünsink und der Umfahrung wegen defekter Schranke monatelang unbefugt von Kfz genutzt worden war, ging dort im Dezember 2025 endlich ein automatischer Poller in Betrieb. Das Projekt soll zeigen, ob sich diese Technik robuster gegenüber Vandalismus verhält. Für den Radverkehr ist diese Lösung von Vorteil, weil damit im weiteren Verlauf zwei gefährliche Sperrpfosten am Ende von Gefällestrecken entfallen können; der neue Poller befindet sich hingegen auf einer Kuppe, wo Radler:innen langsamer fahren, und ist mit einer Beleuchtung ausgestattet.

Poller und Handlauf an der Einmündung Riedgasse/Gautinger Straße

An der Einmündung Riedgasse/Gautinger Straße wurde ein Handlauf installiert, der das Gehen auf dem steilen Gehweg erleichtert. Außerdem wurde ein Gummipoller angebracht, durch den verhindert wird, dass Kfz auf den Gehweg ausweichen.

Im Herbst 2024 wurden an der Einmündung Am Katzenstein/Etterschlager Straße zwei Borsteinabsenkungen hergestellt. Damit fehlen im Gemeindegebiet nun noch zwölf von insgesamt 30 Absenkungen.

Verkehrsberuhigte Bereiche

Im Juli 2023 hatte der Gemeinderat die Ausweisung von vier verkehrsberuhigten Bereichen beschlossen. Zuerst wurde derjenige in der Unteren Seefeldstraße umgesetzt, allerdings wurden entgegen dem Beschluss zwei Längsparkstände in Seenähe markiert, welche dann auch noch regelwidrig als bis zu sechs Senkrechtparker missbraucht wurden. Daraufhin wurde die Parkstandplanung überarbeitet und entsprechend realisiert – und am ehemaligen Parkplatz konnte mittlerweile eine Boulebahn eröffnet werden.

Auch in der westlichen Ettenhofener Straße sowie in Neuhochstadt wurden im letzten Jahr verkehrsberuhigte Bereiche ausgewiesen. Auf diese Weise wird einerseits ohne Schilderwald das Parken geregelt, sodass ausreichend Platz für Einsatzfahrzeuge und Müllabfuhr bleibt; andererseits dürfen Fahrzeuge nur Schrittgeschwindigkeit fahren, Fußgänger:innen haben Vorrang und Kinderspiele sind überall erlaubt – eine wirklich menschenfreundliche Verkehrsführung für Wohnstraßen ohne Durchgangs-Kfz-Verkehr.

ÖPNV

Für den öffentlichen Nahverkehr wurden sogenannte Digitale Fahrgast Informationssysteme (DFIs) eingeführt, welche an Haltestellen die bevorstehenden Abfahrtszeiten (unter Berücksichtigung von bekannten Verspätungen, Ausfällen u. s. w.) anzeigen.

Am Bahnhof gibt es seit Dezember drei „Bussteiganzeiger“, die in etwa wie ein TV-Gerät aussehen und neben Bus- auch S-Bahn-Abfahrtszeiten darstellen. Wegen merkwürdiger Bedenken von Seite der DB (Statik, Strom, Gestattung) entsprechen die gewählten Standorte nicht der ursprünglichen gemeindlichen Wunschliste, sondern wurden auf gemeindeeigene Gebäude und Grundstücke verlegt.

Außerdem wurden bereits im Herbst 2024 acht der restlichen 13 Bushaltestellen mit „Haltestellentaschen“ ausgestattet, welche die nächsten Busabfahrtszeiten anzeigen. Bei allen DFIs können sehbehinderte Menschen mit einem Taster eine Sprachausgabe anfordern.

Der MVV möchte in seinem Verbundgebiet Mobilitätspunkte etablieren, an denen der Umstieg vom ÖPNV auf andere Verkehrsmittel ermöglicht wird. Im Landkreis STA handelt es sich dabei zunächst nur um Bikesharing. Die Gemeinde Weßling geht hier nach demselben Konzept vor, wie es die Gemeinde Gilching schon lange verfolgt: Bikesharing ist zunächst nur für Pendler:innen zwischen Bahnhöfen und Gewerbegebieten vorgesehen. Nachdem der Zuschlag für nextbike am 21. Januar 2025 endlich erfolgt ist, wird über das Thema voraussichtlich in der nächsten Gemeinderatssitzung im Februar entschieden.

Radverkehrsförderung

In 2014 hatte die Mobilitätswende das erste Radverkehrskonzept für die Gemeinde Weßling vorgelegt. Dieses Dokument war nach mehr als zehn Jahren freilich nicht mehr aktuell. Deshalb wurde in 2025 ein neues Konzept erstellt, welches aufzeigt, wie die Förderung des Radverkehrs in Zukunft aussehen kann. Dabei ist die wesentliche Botschaft, dass für die dicken Bretter (Geh- und Radwege Oberpfaffenhofen-Unterbrunn und Hochstadt-Unering) nicht die Gemeinde, sondern das Land bzw. der Kreis zuständig sind – und die sonstigen Maßnahmen weder politisch noch finanziell besonders aufwändig sind.

Fahrrad-Dankstelle im Starnberger Merkur

Aus der Gemeindeverwaltung/Öffentlichsarbeit kam die Idee, eine Aktion zur Förderung des Alltagsradelns durchzuführen. Unter dem Motto „Radeln macht die Gemeinde Weßling mobil & lebenswert“ bedankten sich im Juni 2025 Bürgermeister und Mobilitätsreferent mit drei „Fahrrad-Dankstellen“ am Bahnhof und an der Grundschule bei passierenden Radler:innen. Dieses Projekt wurde großteils von der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen (AGFK) finanziert.

In 2021 hatte der Ausschuss für Umwelt, Klima, Energie und Mobilität beschlossen, der AGFK beizutreten und die Zertifizierung als fahrradfreundliche Kommune anzustreben. Dazu folgte im Mai 2022 eine Vorbereisung, nach der von einer Bewertungskommission ein Protokoll mit bereits positiven Merkmalen sowie Handlungsempfehlungen vorgelegt wurde. Aktuell wurden sechs der zehn Empfehlungen umgesetzt, eine weitere konnte wegen fehlender Zuständigkeit nicht realisiert werden. Die Chancen stehen gut, dass bis zur dieses Jahr anstehenden Hauptbereisung auch die drei restlichen Empfehlungen erfüllt werden können. Eine wirklich fahrradfreundliche Gemeinde Weßling wurde allerdings im Jahr der Zeitenwende durch rückwärtsgewandte Gemeinderatsbeschlüsse verhindert.

Sonstiges

Im Rahmen von Aktivitäten für betriebliches Mobilitätmanagement hatte sich die Gemeinde zusammen mit der ADAC Luftrettung, dem DLR, der Firma GMV, der VR-Bank Starnberg-Zugspitze, der gwt, der Lebenshilfe Starnberg, sowie der Stadt Starnberg und der Gemeinde Gilching am Mitfahrportal SAMi beteiligt, das im Mai 2023 startete. Allerdings musste das Projekt im Februar 2025 – noch bevor es sich etablieren konnte – unerwartet beendet werden, weil die als Grundlage verwendete twogo-App vom Hersteller eingestellt wurde.

Für die Zukunft sind noch eine ganze Menge Projekte in der Pipeline. So gibt es sieben nicht umgesetzte Beschlüsse, die bis ins Jahr 2021 zurück gehen. Außerdem sind eine Vielzahl von offenen Projekten und Maßnahmen, wie z. B. das MVV Bikesharing, 26 Verkehrsinfrastrukturmaßnahmen und 12 Bordsteinabsenkungen in Umsetzung bzw. dokumentiert.

Zum Schluss bedankte sich Gerhard bei den Damen und Herren der Gemeindeverwaltung und des Bauhofs für die meist erfolgreiche Zusammenarbeit.

Ein Rückblick auf die gesamte Wahlperiode (Referentenberichte 2020/2021, 2021/2022, 2022/2023, 2023/2024) zeigt, dass viele Punkte aus dem ehrgeizigen Abschnitt „Verkehrswende für menschen- und umweltfreundliche Mobilität“ des Grünen-Kommunalwahlprogramms 2020 umgesetzt oder zumindest angegangen werden konnten. Insofern kann Gerhards Referententätigkeit durchaus als Erfolg gewertet werden. Allerdings konnte es durch sechs Jahre leicht progressive Mobilitätspolitik auf gemeindlicher Ebene nicht gelingen, die durch mehr als 80 Jahre massive Kfz-Förderung geschaffenen Tatsachen, Randbedingungen und Abhängigkeiten wesentlich zu beeinflussen.

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